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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

 

„Nun hat mein Auge dich gesehen“ Predigt zu Hiob 42,1-6

Pastor Frank Mühring              Bremen, 29.12.2019

 

Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach:  „ Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.  

(Gott) »Wer ist der, der den Ratschluss verhüllt mit Worten ohne Verstand?«

(Hiob) Darum hab ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.  

(Gott) »So höre nun, lass mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!«

(Hiob) Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.

Hob 42,1-6

 

Liebe Gemeinde,

 

„ausgerechnet zu Weihnachten.“ So sprechen Menschen, deren Weihnachtsfest nicht süß und nahrhaft war wie ein Keks mit Schokolade überzogen. Sondern irgendwie düster überschattet von einem Ereignis, das alle Pläne auf den Kopf gestellt hat. Etwas, das nur schlecht zu den Glocken passt, die doch zu Weihnachten süßer nie klingen sollen. „Ausgerechnet an Weihnachten.“ So beginnen unsere Erzählungen, wenn rätseln, warum das Leben mal herb und salzig wie eine Träne oder ein Salzbrezel schmeckt.

 

Da geht man nur mit dem Hund spazieren, tritt in ein Maulwurfsloch und findet sich mit einer Knochenabsplitterung in der Notaufnahme eines Krankenhauses wieder. „Ausgerechnet zu Weihnachten“. Da liegt die alt gewordene Mutter im Sterben. Seit Monaten schon musste man mit diesem Abschied rechnen. Es hätte zu allen Zeiten passieren können. Nun ist der Moment da. Warum eigentlich gerade jetzt, fragt sich die Familie. „Ausgerechnet zu Weihnachten.“ Da fällt ein Schatten auf das liebliche Fest.

 

„Ausgerechnet zu Weihnachten.“ Das dachte ich, als ich den Namen des Hiob auf dem Predigtplan für diesen Sonntag las. Hiob, der Mann, nach dem die Hiobsbotschaften benannt sind. Hiob, der viel leiden muss. Er klagt seinen Freunden in vielen Variationen sein Leid. Es ist ein Tränenlied, das Hiob anstimmt. Mitten in der Zeit, wo wir von Gott als dem „holden Knaben im lockigen Haar“ singen.

 

Hiob heißt er. Übersetzt ist sein Name eine Frage: „Wo ist Gott?“ Hiob lässt diese Frage nicht los. Fromm ist er und ein bisschen ängstlich. Seine Angst rät ihm: Bete, pflege deine Beziehung zu Gott intensiv. Pass bloß auf, sonst passiert was, dir und deiner Familie. Hiob tut, was er kann, um sich gegen diese Angst abzusichern. Doch dann trifft ihn ein Schlag nach dem anderen. Zuerst wird sein ganzes Vermögen geraubt. Dann sterben seine Kinder alle auf einmal bei einem schrecklichen Unglück. Am Ende wird er selbst noch krank und total elend.

 

Ausgerechnet zu Weihnachten begegnen wir einem Mann aus der Bibel, der nicht „Oh du Fröhliche“ singt. Sondern eher „Oh, du Gräsige“ anstimmen könnte. Einem Menschen, der mit Gott und gegen ihn streitet und ringt. Streit mit dem Höchsten. Knies mit Gott. Ausgerechnet zu Weihnachten.

 

*

 

Der mir sehr am Herzen liegende Dichter Robert Gernhardt war wegen einer Krebserkrankung lange Zeit im Krankenhaus. Eigentlich ein religiös unmusikalischer Mensch. Kein Frommer jedenfalls. Als er dann sah, wie sich die Stationen lehrten über die Festtage, viele nach Hause fahren durften, er aber musste bleiben, da ging Gernhardt das doch innerlich nahe. Es machte ihn weich. Und er dichtete Verse, in denen unser Hiob vorkommt. Er sah sich selber in ihm.

 

Sein Gedicht heißt: „Hiob im Diakonissenkrankenhaus“:

Ihr habt mir tags von Gott erzählt,
nachts hat mich euer Gott gequält.

Ihr habt laut eures Gotts gedacht,
mich hat er stumm zur Sau gemacht.

Ihr habt gesagt, daß Gott mich braucht –
braucht Gott wen, den er nächtens schlaucht?

Ihr habt erklärt, daß Gott mich liebt –
liebt Gott den, dem er Saures gibt?

Ein Gott, der uns Saures statt Süßes gibt. Wie lässt sich der ertragen – ausgerechnet an den süßen, fetten Weihnachtstagen?

 

*

 

Hiob streitet mit Gott. Streit ist etwas, was wir Menschen mit Gott haben dürfen. Denn zu Weihnachten ist Gott selbst Mensch geworden und in den Streit dieser Welt hinabgestiegen. Ist zur Welt gekommen mitten in der rauen Region des Nahen Ostens, wo Frieden bis heute ein Fremdwort ist. Um Frieden zu bringen. Doch dieser Frieden mit Gott muss hart erkämpft werden. Jedenfalls von Hiob.

Hiob klagt Gott an. Jetzt bin ich auch noch krank geworden. Mein Körper ist von Kopf bis Fuß mit Geschwüren bedeckt. Mit einer Scherbe sitze ich in der Asche und kratze mich. Ich verstehe das alles nicht. Ich kann nicht mehr! Warum bewahrst du mich, Gott, nicht vor diesen Katastrophen? Warum lässt du mich so leiden? Du schuldest mir eine Erklärung! Ich finde, ich habe das alles nicht verdient. Nie habe ich mir etwas zuschulden kommen lassen. Gott, erklär dich mir! Ich führe ein anständiges Leben. Gespannt bin ich, was du zu deiner Verteidigung zu sagen hast. Nenn mir einen Grund für das, was du mir angetan hast! Mir fällt jedenfalls keiner ein.
Aber du schweigst. Bist du etwa feige geworden, Gott? Du versteckst dich. Dabei wünsche ich mir so sehr, dir zu begegnen.

 

*

 

Ausgerechnet zu Weihnachten. Jesu Geburt ist die Antwort auf Hiobs Frage „Wo ist Gott?“. Eine Antwort, die Hiob selbst noch nicht sehen durfte. Seht doch wie freundlich und nah sich der Höchste hier zu uns herabbeugt. Weihnachten ist eigentlich ein unerklärliches Wunder. Wenn Hiob nicht schafft, Gott zu begreifen, dass schaffen wir Menschen auch zu und nach Weihnachten nicht. Wir können Gott nicht fassen. Da wird Gott Mensch und nimmt das Fleisch eines kleinen jüdischen Jungen an. Der herrlich große Gott legt sich ausgerechnet in eine stinkige Futterkrippe. Hätte er nicht anders können? Doch, er wollte es so. Dieser Gott, der uns Menschen so nahe kommt, lässt sich von uns nicht ausrechnen. Gerade da, wo sich der Höchste in all seiner Niedrigkeit zeigt, bleibt er selbst im Geheimnis verhüllt.  

 

Gott wird Mensch, der Sohn der Maria, der in tiefste Armut kommt. Das ist auch eine Botschaft für alle, die hören und sehen können. Indem Gott Mensch wird, antwortet Gott auf die Frage: „Wo bist du, Gott?“ Lieber Hiob. Ich bin da. Ich bin auch mitten im Leid da. Ich halte die Qualen mit dir aus. Schreie, heule, tobe – tu alles, was dir angemessen erscheint. Ich bin da und mit mir eine ganze Gemeinde, die gerade hier Gottesdienst feiert. Die wenigsten unter uns haben Schicksalsschläge wie du erlitten. Darum sagen wir auch nicht: Wir kennen das aus eigener Erfahrung. Das wäre anmaßend. Aber wir halten mit dir deine Verzweiflung über Gott aus. So etwas gehört zu unserem Glauben dazu. Auch zum Weihnachtsglauben. Schlimmste Abgründe trennen uns nicht von Gott. Sie trennen uns allenfalls von unserem Bild von Gott. Doch der wahre Gott ist größer und stärker. Gott liebt dich. Gemeinsam aber halten wir diesen Widerspruch aus. Weil Gott selbst in die Widersprüche dieser Welt kommt.

 

*

 

Dieses Streiten mit Gott, wie Hiob es tut, ist vielen Menschen – auch vielen Christen – heute abhandengekommen. Darin vermag ich leider keine besonders hochstehende Frömmigkeit sehen. Ich fürchte, hinter der fehlenden Streitlust mit dem Höchsten steckt eine Resignation. Eine, die auch Hiob in seinem einsamsten Moment über die Lippen kommt: „Herr, blicke doch weg von mir.“ Es wäre besser, es gäbe dich nicht. Am besten gar keine Religion, singt John Lennon in dem Lied „Imagine“. Dann wär alles gut. So nach dem Motto: Wenn man auf nichts hofft, dann muss man auch später nicht mit der Enttäuschung ringen. Ohne Gott alles gut?

 

Hiob ist sich seines Abstands zu Gott, der Distanz zwischen Gott und Mensch, deutlich bewusst. Hiob scheint ganz modern zu sein. Die überwältigende Mehrheit von uns Bremerinnen und Bremer lebt nach der Devise, als ob Gott sich aus der Welt verabschiedet hätte. Doch das heißt noch nicht, dass Gott dem Wunsch Hiobs entsprochen hat. Blickt Gott wirklich weg? Lässt er den Menschen in Ruhe? Vor allem: Wäre es gut für die Menschen, wenn sie ihrem Schicksal überlassen würden?

Als Christen glauben wir: Gott kann seine Schöpfung gar nicht sich selbst überlassen. Sonst würde er sich nämlich selbst untreu werden. Gott als sein Schöpfer ist ein Liebhaber des Lebens. Diese Liebe ist der Grund, wieso er den Menschen in Gericht und Gnade zu sich heimsucht, warum er um ihn wirbt. Gottes Liebesgeschichte mit der Menschheit gipfelt in der Sendung seines Sohnes Jesus Christus. Weihnachten geht ja weiter. Das Krippenkind von Bethlehem wird auch das harte Holz von Golgatha ertragen müssen. Wird wie Hiob rufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ In Jesu Leiden und Sterben zeigt er, dass er den Menschen unendlich liebt. Dass er uns nah ist. Zu Weihnachten, wo sich dieser Gott vor unseren Augen in die Krippe legt, dürfen wir eine Kostprobe davon sehen. Hiob sah Jesus noch nicht mit eigenen Augen. Aber auch sagt, nach seiner Odyssee durch Leid und Elend am Ende: „Nun hat mein Auge dich gesehen.“

 

Großer Gott, der du dich klein machst um unseretwillen. Wir können dich sehen, wenn wir auf das göttliche Kind schauen. Ausgerechnet zu Weihnachten. Ja genau, ausgerechnet da können wir dich anschauen.

 

Amen.

„Des Herrn Kloorheit“

Ansprook to Lukas sien Wiehnachtsgeschicht

Pastor Frank Mühring               Bremen, 24.12.2019

 

Un nu weern in desülwige Gegend Schäpers buten up dat Feld. De heelen nachts bi ehr Schoopen de Wach. Mit een Mol stünnt denn Herrn sien Engel vör jem in all sien Kloorheit un Herrlichkeit. In een gleuinigen Kring lücht he över jem up. Dor verfehrn se sick bannig. Un dee Engel seggt to jem: „Weest man nich bang! Süh, ick hebb joo heel wat Wunnerbors to vertellen. Dor könnt ji jo över freun. Un all dee annern Minschen ok. Denn för jo is hüüt dee Heiland born.“  Amen.  (Lukas 2,8-11a)

 

Leeve Süsters un Broders, leeve Kinner to’n Wiehnachtsobend,

 

Dieter Nuhr, de groot Comedian, hett eenmol een mallen Spruch mookt: Wiehnachten, seggt he, dat is dee Höhepunkt vunn datt Joahr in de Kark. Denn to Wiehnachten hett Jesus, Gotts Söhn, denn Eenzelhandel redd. Jesus redd denn Eenzelhandel? Ick glööv, Dieter Nuhr hett een Knütten in sien Dööts. Vulkommen verdreiht, de Keerl. Düsse Ansprook is mien Antwoort! To Wiehnachten kummt Gott up dee Eer, um düsse Welt un us Minschen to redden. Di un mi. Un nich för Karstadt, C & A oder Peek un Cloppenburg. Nee, mien Jung, so nich! Een Pastor is keen Droemelklaas! Dat heele Joahr löppt bi us dat Gerenne um dee Köhlen. Ober Hilligobend geiht dat um annere Dinge. Dor geiht um Help, um Freeden, um Lücht un Leev vunn Gott! Dat wüll ick jo vertellen.  

     

De Middelpunkt vunn Wiehnachten is denn Herrn sien Kloorheit. Dat verkloogfidelt us de Evangelist Lukas in sien Wiehnachtsgeschicht. Dat is neemlich dat Eerst, wat in de hillige Nacht posseert. Een grootet Licht lett sick sehn. Düsternis mutt wieken. Mit eenem Mol woard dat bannig hell. Bi us up dee Eer bi den Minschen. Des Herrn Kloorheit lücht över de Schäpers up. Minschen, de jümmers in Düstern hockt, stünn in‘n Licht. As wenn de Himmel över jem uprieten wull. Use Welt bruukt Licht un Kloorheit. Dor sind veel to veel Jungs un Deerns unnerwegens, de hebbt Düsterkroom in‘n Sinn. In use Gesellschapp woard veel to veel verdüstert un verschleiert. Löögen, Bedruch un Swinnel triumpheert. Mennigmol kannst jo kuum eenen Minschen vertroen. Dat is truurig un mookt mi unfro.

 

Nacht is up dee Eerd, finstere Nacht. Ok in düsse Wiehnachtstied sind so veele Kinner, Manns- un Fruunslüüd bang. De Süüken, de Elennigen. Lüüd dee bang sind for dee Tokunft. Bang sünt Minschen, de bald de Oogen tokniept. Ohne Gott blievt ji in Angst sticken. Ohne Gott hebbt wi Minschen keene Tokunft. Nargens. De Wiehnachtsgeschicht speelt deswegen toerst up dee düstere Siet vun use Wirklichkeit. Dor, wo Minschen Angst hebbt. Bi dee armen Schäpers. Datt weern „religiös unmusikoolische“ Minschen. Harte Brieten! Süh: Ok wenn du siet Joahrn nich inne Karken weesen büst, Gott kann di liekerveel een hellet Licht upsteken.

 

In düsse Welt vull Elend, Not un Düsternis kummt Gottes Söhn. Dat is sien Allmacht. Dat he in use Ohnmacht kummt. Dat wöör vor tweetusend und twentig Joahrn all so. Över dee Schäpers up’n Feld schient dat hell. Datt is de Grund, wiel Gott utrekent in Bethlehem un nich bi een rieke Koopmannsfamilje Minsch woard. Gott socht de Armen. Gott geiht dor hen, wo sick dee Israelis un dee Palästinenser jümmers denn Brägenkasten insloot – siet Jahrhunnerten. Gott geiht dor hen wo Striet un Gekabbel is, um Freden to bringen. Use oole Wiehnachtsgeschicht speelt in Syrien. Dor wo siet negen Joahr Krieg töbt. Syrien, datt kennt wi ut dee Nohrichten. Dat is een Region in denn Nohen Oost, wo datt kracht un dampt. Wo de Lüüd ok vundoog Angst hebbt. Kiek noh Gaza, wo Josef un Maria noh de Geburt vunn Jesus  henn flüchten.  Dor seht wi smölende Autoreifen, tweischootene Finster, Minschen, de dorvun loopt. Akkurot dor langt Gott rin und mookt Licht un Freeden.

 

Dat is hüt jümmers noch so. Ick kenn een Schandarm von us Polizeirevier in Horn. He is tostännig for Bremen-Oost un ok for usen Stadtdeel. De seggt: Vun wegen stille Nacht. Schrille Nacht kunnst beter seggen. To Hilligobend mutt use Polizei all näslang utrücken, Striet unnern Dannenboom to slichten. Dor sind nich blots de besoopenen Krawallbröder un Sludertanten unnerwegens, dor wörrn ok fiene anstännige Deerns un Keerls ut rieke Hüüs dorbi. Dor qualmt ober de Bude! Wenn du Randol un Krach tohus hest, stickst jo noch fast in de Düsternis. Denn hett di dee Düvel in sien Krall. De Botschaft vun Wiehnachten is een annere. Licht, Leven, Freeden in use Harten! Freeden ok for use Tieden!

 

*

„Denn för jo is hüüt dee Heiland born. …  Ehr wees Gott in de Hööchte! Un Freden op dee Eer bi all de Minschen, de goden Willen hebbt!“ Ick kenn veel Lüüd, de könnt dat nich glööven. De wüllt dat nich glööven. Ober leve Lüüd: Gott is keen Lögenbroder.  He is dee Woohrheit un he bringt Kloorheit. Un siene Engels seggt jo nich: Nu hebbt wi Freeden. Nee, dee Engels seggt: Wi seggt ji Freeden to. Gott seggt us Freeden to. Freeden is möglich. Freeden is unnerwegens.  Dor wo in eene Familje de Minschen sick verstännigen un versöhnt. Wo du eenen Schritt up dien Nächsten to mookst. Dor wo Minschen sick willkoomen heet, opwoll se Fremde sünd. Dor wo Leev praktiziert woard.

Freeden beginnt gaanz lies. Martin Luther hett eenmol seggt: „Alle Wark Gottes koomt up de Been in grooder Maddeligkeit, ober werrt vollendet in grooder Kraft. Wiehnachten kummt in Gang dör een lütschen Worm in een aflegenen Oort. Mit Maria un Josef, twee normole Öllern. Dör een lüttjet Göör kummt Licht un Rettung in düsse Welt. Nich dör so gresige Bangemooker un Füürfreter as Trump, Putin un Erdogan. Dee Engels schnackt use Welt nich kommodig. Us Leven is nich jümmers rosarot mit Slööp umheer. Ober dee Engels wiest dorhenn, wo dat Licht vun Wiehnachten henfallt: Up dee Minschen, up dee Gottes Wohlgefallen liggt. Dör een lütschen König kummt Gott in düsse Welt. Rettung un Licht sünd unnerwegens to di un mi!

Un watt posseert up datt düstere Feld bi dee Schäpers in Bethlehem? „Mit een Mol stünnt denn Herrn sien Engel vor jem in all sien Kloarheit un Herrlichkeit.“ Martin Luther hett dat Woard „Kloorheit“ in de Wiehnachtsgeschicht  inschreben. Use Welt bruukt Kloorheit. So veel in use Gesellschapp is unkloor. So veel blifft in’n Nevel. Wo geiht dat in Tokonft henn? Mit Europa, mit Dütschland. Kiek fofftein Minuut Tagesschau un du künntst tüterig weern. So veel Unsicherheit in de Politik. Use Kinner un Enkelkinner – in watt för eene Welt weert se rinwassen? Wo geiht datt wieter mit denn Klimawandel? Witte Wiehnachten is nu bi us vorbi. Wi hebb siet Joahrn heete Wiehnacht, sösstein Groad, Smuddelregen un in de Stuuv smullt dee Kerzen an’n Dannenboom. Dat is doch nich normoal! Wo stüürt wi hen? Kloorheit bruukt wi. Datt is een schönen Troost to Wiehnachten: Gott roopt us all in sien Licht. He versprickt de heele Schöpfung een nejen Beginn. He will us all fröhlich mooken.  

*

Kloare Wöör licht datt Gestrüpp. „Weest man nich bang,“ seggt dee Engels to dee Schäpers. „Ji bruukt keen Bammel hebben!“ Wann fangt Wiehnachten an? So froagt Rolf Krenzer in een Gedicht.

Wann fangt Wiehnachten an?

Wenn de Maddeligen denn Starken sien Schwäche vergeevt,

wenn de Starken de Kraft in denn Maddeligen sitt,

wenn de Habewatt mit denn Habenix deelt,

wenn dee luute Kerl bi denn Stummen töövt,

wenn dee liese Minsch luut word un dee Luute still,

wenn datt Bedütsaome ohn Bedüden,

datt schienbor Unwichtige wichtig un groot,

wenn midden in Dunkel een kleenet Licht

Geborgenheit un hellet Leven versprickt

wenn du nich toegelst, sonnern loppst,

so as du büst, denn, joa denn fangt Wiehnachten an.  

 

„Licht ut, Spot an!“ Dat hett in de oole Tied Ilja Richter in siene TV-Sendung „Disco“ jümmers seggt. Jümmers Soterdag, Klock sess. Un de Lüüd in’n studio, de roopt all tohoop mit luuter Stimm: „Licht ut, Spot an!“ Erst woard dat duster in datt Filmstudio, un süh! Mit eenem Mol steiht een neen Star in daghellet Licht. Dat Geheemnis vunn Wiehnachten is: Licht mookt eenfache slichte Minschen to enn grooten Star. Jesus redd nich denn Eenzelhandel, sonnern di un mi. Hüüt Nacht schütt wi all Stars weern. Gottes beleevte Kinner. Ok du un ick. Hebbt keen Angst mehr. Gott is dor!

 

Amen.

„Driving home for Christmas“

Predigt zu Sacharja 2,14-17

Pastor Frank Mühring        Christnacht, 24.12.2019 Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. Und du sollst erkennen, dass mich der HERR Zebaoth zu dir gesandt hat. Und der HERR wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erwählen. Alles Fleisch sei stille vor dem HERRN; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!       Sacharja 2,14-17

Liebe Gemeinde,

„Weihnachten kann ich nicht kommen,“ sagt die junge Familie aus dem Kindergarten zu mir. „Wir reisen nach Hause zu den Eltern.“ Weihnachten heißt nach Hause kommen. Lange Anreisewege über verstopfte Autobahnen. Erhebliche Verspätungen bei der Bahn. All das verhindert nicht, dass große Anstrengungen unternommen werden, Heiligabend zuhause zu verbringen. Auch nach Bremen sind einige von uns zu ihren Familien heimgekommen, weil hier ein Stück ihrer Heimat ist. Weihnachten heißt nach Hause kommen. Nicht, um sich wie Maria und Josef in Steuerlisten eintragen zu lassen, sondern um sich wiederzusehen. Um zurückzukehren zur Familie an den heimischen Herd. Um ein altes Fest wieder neu zu feiern.

„Driving home for christmas“. Derzeit hört man auf Bremen 1 dieses Lied des englischen Sängers Chris Rea gefühlt fünfmal am Tag: „Zu Weihnachten nach Hause fahren“. Eine einfache Geschichte wird erzählt: Ein Mann sitzt in seinem Auto. Zu Weihnachten sehnt er sich zu Hause zu sein. Er kann es kaum erwarten, dort all die vertrauten Gesichter zu sehen. Er steht mit seinem Auto im Stau, die Ampeln stehen auf Rot. Die Zeit wird ihm zu lang. Er singt, um sich die Zeit zu vertreiben. Lang ist es her, seit er zu Hause gewesen ist. Doch jetzt beim Warten werden tausend Erinnerungen wach, wie es früher mal war. Er schaut hinüber zum Fahrer im Auto nebenan und er sieht ihm an, auch ihm geht es nicht anders.

Weihnachten in der Heimat zu sein, das ist für viele Menschen sehr wichtig. Die Schattenseiten, die diese Rückkehr hat, wenn sie von Dauer wäre, spielt keine Rolle. Die drangvolle Enge im Wohnzimmer bei den Eltern, die Reibung durch das engere Miteinander in der Familie, die nicht nur Wärme erzeugt. Der Haufen von Geschenken und Papier, der nicht nur Freude auslöst, sondern manchmal auch  kleinere und größere unerwartete Explosionen, bleibt ausgeblendet. Als besondere Härte erscheint es, wenn jemand gerade die Weihnachtstage woanders arbeiten oder in der Fremde verbringen muss. Diejenigen, die einst ihre Heimat verlassen oder verloren haben, sie sehnen sich an diesem Tag meist besonders stark dorthin zurück. Und es gibt große Erwartungen, wie es sein wird. Nach Hause kommen, ein Zuhause haben. Eine tiefe Sehnsucht, nicht nur zu Weihnachten.

*

„Driving home for christmas“. Heimfahren, das würde das Volk Israel, das seit Jahrzehnten in Babylon fest sitzt, auch gern. Nicht zu Weihnachten, das fest kannte man in jenen Tagen noch nicht. Aber irgendwann wollen alle heim, bei einer günstigen Gelegenheit. Israel ist in der Fremde. Abhauen. Eine bessere Zukunft suchen. Aber viele aus dem Volk Israel haben die Hoffnung auf eine Wende aufgegeben. Und auch das Vertrauen auf einen Gott. Deswegen schauen die Menschen immer wieder sehnsüchtig zurück in die Heimat nach Jerusalem zum Zionsberg, wo ihr Tempel einst stand. Der Prophet Sacharja wendet sich an jene Heimatlosen, die gerade nicht nach Hause können. Deren Hoffnungen auf Zukunft verdüstert sind. Die fest stecken in ihrer Heimatlosigkeit.

Nach Hause kommen, ein Zuhause haben. Eine Sehnsucht, die zu uns Menschen gehört. Eine Sehnsucht, die auch Gott haben muss. So denkt sich der Prophet Sacharja das. Gott will auch nach Hause kommen. Zu uns Menschen. Zu uns, die wir Wanderer, Durchreisende durch  diese Welt sind. Unbehauste Seelen, die Räume, Orte, feste Plätze brauchen, in dem wir zu Hause sind. Diese Suche, die sich durch unser ganzes Leben zieht, verbindet uns heute Nacht mit Maria und Josef, die 35 Kilometer zu Fuß von Bethlehem nach Nazareth gehen müssen. In der Christnacht wird die berühmteste Heimreise unserer Kulturgeschichte erzählt. Maria und Josef kommen nach Hause. Zwei Reisende sind ohne Obdach. Niemand öffnet ihnen die Tür? In den Krippenspielen sind es unwirsche Wirtsleute, die Maria und Joseph abweisen. In der biblischen Weihnachtsgeschichte kommen solche Leute, die keinen Raum für Menschen in Not haben, überhaupt nicht vor. Hier gibt es nur Menschen, die ein Herz haben. Maria und Josef finden Aufnahme in der Heimat. Es ist zwar anders als erträumt und erst recht nicht bequem. Glaube ist keine Bahnticket 1. Klasse. Jesus wird in einem zugigen Stall geboren und in eine Futterkrippe abgelegt. Gottes Sohn spürt die Härte des Lebens von Anfang an. Gott will es so. So will er unser Gott sein und mit uns das Leben teilen. Das unbehauste, harte Leben von uns Menschen. Gott kennt die Not von uns Menschen.  

*

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. Wie lockt man Menschen, die ihre Hoffnung fast aufgegeben haben? Wie befeuert man ihre Sehnsucht? Indem man zur Freude einlädt Sacharja - der Name des Propheten bedeutet „Gott erinnert sich“. Dass wir Menschen ein Dach über dem Kopf brauchen. Dass wir seine Liebe brauchen. Dass Hass und Unbarmherzigkeit nicht ewig triumphieren dürfen. Gott erinnert sich an dich und mich. Warum er uns in diese Welt geschickt hat. um Liebe und Verständnis mit anderen Menschen zu teilen. Als wäre Gott schon heimgekommen zum Zion, jubelt er und freut sich. Gott kommt nach Hause, und er nimmt uns alle mit.

Nach Hause kommen, ein Zuhause haben. Wenn es einen gibt, der diese Sehnsucht erfüllen kann, dann ist es Gott selbst. Es wird ganz anders sein, als du es dir vorstellst. Was Gott erbaut, unterscheidet sich sehr von dem, was wir Menschen uns als Lebenssinn konstruieren. Wie zerbrechlich alles ist, auf das wir so fest bauen, ahnen wir selbst. Gerade zu Weihnachten werden wir an empfindlichen Stellen berührt. Nicht nach Hause kommen können, nicht wegen der Witterungsverhältnisse, sondern weil das Zuhause, nach dem ich Sehnsucht habe, nicht mehr da ist. Weil die Menschen, die es einst mit Leben gefüllt haben, nicht mehr da sind. Oder kein Zuhause haben, weil da nie ein richtiges Zuhause war im Leben.

Zu Weihnachten wird Gott Mensch. Gottes neue Heimat, das sind Menschenherzen. Die Menschen, die vor mir da waren, wie meine Eltern und Großeltern. Menschen, die nach mir da sein werden, wie meine Kinder und Enkelkinder. Und Menschen, die jetzt für mich da sind, bei denen ich mich wohl und zuhause fühle. Gott baut keine Häuser, sondern bindet sich an Menschen. Nach der Rückkehr Israel in die Heimat gab es zwar auch ein neues großes Gotteshaus. Aber auch dieser Tempel ist wieder zerstört worden ist.

Alles Fleisch sei stille vor dem HERRN; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte! Sacharja bereitet die Seinen auf einen kühnen Gedanken vor. Gott wohnt nicht in Häusern aus Stein. Weder im Tempel noch hinter Kirchenmauern. Gott will unter uns Menschen wohnen. In uns lebendig sein. Deswegen kann die Beziehung zu ihm nicht zerstört werden, wie ein Haus, das erst leer steht und dann irgendwann verfällt. Gott bindet sich fest an Menschen. An das Volk Israel, das vor uns war und im Volk der Juden weiter lebendig ist. Er bindet sich an uns und wird sich auch an die binden, die nach uns da sein werden. Jesus von Nazareth, aus dem Haus und Geschlecht Davids, hat uns, die wir nicht von Geburt zu Gottes Volk gehören, in diese Beziehung mit hineingenommen. Wir sind eingeladen und willkommen geheißen in einem  Haus, das wir nicht selbst gebaut haben.

*

Nach Hause kommen, ein Zuhause haben. Gott sucht sich sein Zuhause unter uns anders, als wir uns das vorstellen. Nicht auf der Suche nach Sicherheit, Geborgenheit und Zuverlässigkeit, nicht festgelegt. Ein Gott, der mitgeht, bei uns ist, für den keine Vorbereitungen zu treffen sind und der nichts voraussetzt. Wie Gott zur Welt kommt, zeigt sich noch einmal deutlich in dem Kind in der Krippe, dem Bündelchen Mensch, zur Welt gekommen am Rande der Nacht, am Rand der Stadt, am Rand der damals bekannten Welt. Es gibt keinen schlechteren Ort, an dem Gott zur Welt kommen könnte und es gibt keinen anderen Ort dafür.

Nach Hause kommen, ein Zuhause haben. Die tiefe Sehnsucht danach berührt uns und alle in dieser Nacht. Sie berührt die, die jetzt endlich einmal wieder zuhause sind und mehr noch die, die es nicht sind. Ich denke an  die Flüchtlinge, die hier bei uns angekommen sind und versuchen, hier eine Heimat zu finden. An die Kranken in unserem Krankenhaus, an die Alten in den Pflegeheimen, an die Kinder im Heim, alle in Häusern und doch nicht zuhause.

Für sie und auch für mich selbst möchte ich bauen auf die Hoffnung, dass es so ist, wie Gott es David ausrichten lässt. Und dass Gott nicht aufhört, es ausrichten zu lassen unter uns. Ich möchte die Stimme des Propheten Sacharja hören in dieser Nacht, die sagt: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

Gott kommt zu uns. Wir kommen nach Hause. Heute nacht und für immer.

Amen.

 
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