Home
Brem. Evang. Kirche
Meine Gemeinde
Aktuelle Predigt
Ev. Posaunenwerk
Gustav-Adolf-Werk
Termine


Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

 

„Leere und volle Netze“

Predigt zu Lukas 5,1-11

Pastor Frank Mühring                                            Bremen,12.7.2020

 

Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.     Lukas 5,1-11

 

Liebe Gemeinde!

 

Ein weißes Blatt. Für das Hochhalten eines leeren Zettels kann man auf der anderen Seite der Erde, in Hong Kong, ins Gefängnis kommen. Die Demokratiebewegung will damit sagen: so viel ist übrig von der Freiheit, wenn das Polizeigesetz kommt. nichts. Nur ein leeres Blatt.

 

Das leere Blatt, das kannte Simon auch. Kein Fang, keine Einnahmen. Manchmal steht man da wie die Fischer. Mit leeren Händen. Die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Wieder mehr Austritte als Eintritte. Das Desinteresse am Glauben nicht aufgehalten. Die grassierende Säkularisierung nicht gebremst. Das Vertrauen in die Institution Kirche nicht wiederhergestellt. Seit Corona über uns kam, hatte ich hier nur zwei Taufen und nicht eine Trauung. Erschütternde Zahlen. Alle Kurven zeigen steil nach unten. Was habe ich selbst gefangen in den letzten Monaten? Ich komme mir vor wie Simon, der wie gelähmt mit hängendem Kopf im Boot sitzt. Vor sich nur leere, tropfende Netze.

Bei allem, was wir tun und bei allem guten Willen, den wir haben – am Ende stehen wir Menschen oft da mit unseren leeren, tropfenden Netzen. Da haben wir haben uns müde gefischt. Haben gearbeitet, bis in die Nacht hinein. Analysen in Auftrag
gegeben. Haben am Computer rote Augen bekommen, haben über Texten und Strategien gebrütet. Sind ungewöhnliche Wege gegangen. Aber die Menschen kehren uns den Rücken zu. Dann finde ich es tröstlich zu wissen, dass es schon Simon Petrus so ging. Lange Nacht, viel Arbeit, leere Netze, weißer Zettel, nichts.

 

*

 

Jesus sprach zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Im Seelsorgekurs habe ich als Vikar gelernt: Ratschläge sind Schläge. Jesus gibt einem erfahrenen Fischer einen Ratschlag. Mach es doch mal so. Versuche es noch einmal anders. Fahr ins Tiefe hinaus. Ich gebe zu, ich mag es nicht, wenn man mir dreinredet. Wenn jemand meint, er könne es besser als ich. Als wüsste dieser Mensch einen besseren Weg für mich. Da gehe ich auf Distanz. Da kommt – Entschuldigung, lieber Herr! – ein Zimmermann aus Galiläa und erzählt einem alten Seebären etwas vom Fischen. Ich denke dabei an die vielen Leserbriefe im Weser Kurier zu politischen Fragen. Wenn man die Schreibenden nur mal einen Tag heranlässt und Frau Merkel beiseite ginge, dann würden wir aber einen Aufschwung sondergleichen erleben. Nein, Ratschläge sind Schläge. Sie bringen nichts. Am hellichten Tag soll Simon noch einmal die Netze auswerfen. Das hat noch geklappt, sagt sein Erfahrungswissen. Jesus redet Simon ins Handwerk drein. Kein Wunder, dass Simon das Messer in der Tasche aufgeht: „Meister, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen.“

 

*

 

Das Wunder sind für mich nicht die unerwartet vollen Netze. Das Wunderbare geschieht, weil Simon sich von Jesus dreinreden lässt. Weil er trotz all seinem Wissen und seiner Erfahrung sagt: Na gut. „Auf dein Wort hin wollen wir nochmal rausfahren und die Netze auswerfen.“ Auf Dein Wort hin. Was für ein Vertrauen!
Nicht weil wir den Auftrag hätten, die große Menschenfischer zu sein und die Welt zu retten. Nur auf sein Wort hin! Ohne jegliche Absicherung und doppelten Boden. So kommt Bewegung in die Geschichte und in die Kirche. Nur dadurch, dass sich einer denkt: Na gut, wenn du es sagst. Das ist Glaube, das ist Vertrauen.

 

Hätte nicht Martin Luther ganz im Sinne seines Vaters eine glänzende Karriere als Jurist machen können? Gott aber redete ihm herein und sagte: Wirf dein Netz in der Kirche aus. Bau mit meinem Wort meine Kirche neu. Hätte nicht Nelson Mandela ein guter Anwalt für die Mittelklasse in Südafrika werden können? Gott aber redete ihm drein und sagte: Befreie mein Volk von der Apartheid. Tu es, und wenn du dafür ins Gefängnis gehen musst. Mein Plan, Gottes Plan. Ein cooler Spruch sagt: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.“ Hätte, hätte, Fahrradkette. Sich von Gott dreinreden zu lassen, das ist tiefes Vertrauen. Ich glaube, Gott redet uns gerade dann in unseren Kram hinein, wenn wir meinen unsere Sache bestens zu machen und überhaupt keinen Rat annehmen zu müssen. Wenn wir eigentlich zugeben müssten, das wir mit unserem Latein am Ende sind. Wenn wir ganz nackt dastehen und sagen: „Die ganze Nacht haben wir uns abgemüht und doch nichts gefangen.“ Gerade da redet uns Gott rein und sagt: „Nicht aufgeben, dranbleiben.“

 

*

 

Aber – woher weiß ich denn, dass es gerade Gott ist, der mir da dreinredet? Es könnte ja auch der Zufall sein, ein blindes Schicksal oder einfach der überraschende Lauf der Welt. Dass mir Gott in mein Leben hineinredet, das weiß ich noch nicht, während es gerade geschieht. Ich weiß es erst hinterher, dass Gott sich eingeschaltet hat. So wie Simon bei seinem gewaltigen Fischzug. Wenn in meinem Leben sich aus etwas scheinbar Unsinnigem, Sperrigen am Ende doch noch etwas Gutes ergeben hat. Gott redet mir nicht drein, um mich Klein zu machen. Er redet mir in mein Leben rein, um mich über mich und meine eigenen Pläne hinauszuführen. Um mir einen neuen Blick, eine neue Sicht auf das Leben zu geben. Simon ist weit davon entfernt, als er den großen Erfolg mit den vollen Netzen begreift, mit seinen Kollegen zu feiern. Simon will am liebsten nichts damit zu tun haben, nur weg: „Herr, gehe weg von mir. Ich bin ein sündiger Mensch.“  


Dieser zerknautsche Held Simon ist für mich das Wunder schlechthin. Ein Vorbild im Vertrauen. Gott braucht keine perfekten Leute. Er hat nicht auf vermeintliches Besserwissen gesetzt. Sondern darauf, Jesus zu vertrauen. Vertrauen ist immer ein Wagnis. Wenn ich etwas selbst klar sehen kann oder sicher weiß, dann muss ich niemand anderem mehr vertrauen. Vertrauen ist nur dann gefragt, wenn ich mir selbst nicht ganz sicher bin.

Petrus setzt auf die Beziehung, auf das Vertrauen zu Jesus: „Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Mit dem Vertrauen fängt alles an. Und damit, dass einer sein Leben neu findet, weil er Gott dreinreden ließ. Achten wir darauf, wo und wie Gott uns dreinredet. Der Philosoph Immanuel Kant hat einmal gesagt: „In schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht.“

Dazu sind wir berufen. Jeder auf seine Weise. Simon Petrus und seine Gefährten wird hier gesagt, sie sollen Menschen fischen. Geduld gehört dazu, auch die Bereitschaft, in Frustrationen durchzuhalten. Das Hören auf Gottes Wort, selbst wenn er Unmögliches fordert. Sich offen zu halten für Gottes Liebe – und schließlich die Freiheit, nicht an dem zu hängen, was wir gewonnen zu haben. Sondern weiter zu gehen, wenn Gott es will. Jesus macht uns Mut, unsere eigene Berufung zu finden. Gott ruft auch dich.

 

Amen.

 

 

 
Willkommen beim Portal für modernes Predigen | frank.muehring@t-online.de