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Meine aktuelle Predigt                      

Möchten Sie die neueste Predigt aus der Kirche in Oberneuland noch einmal nachlesen? Dann sind Sie hier goldrichtig!

Mein Stil ist einfach, elementar, volkskirchlich, in bestem Sinne missionarisch. Dabei geht es darum, die Probleme und Sorgen der vermuteten Hörerinnen und Hörer einzubeziehen.

Etwa alle 14 Tage erscheint auf dieser Seite eine neue Predigt. Die alten Predigten werden dann gelöscht. Es ist wie mit dem täglichen Brot: Es sollte frisch sein - so auch die Predigt.

Gottes Segen wünscht      Ihr Frank Mühring

 

„Berühr mich!“

Predigt am Palmsonntag zu Markus 14,3-9

Pastor Frank Mühring                 Bremen, 5.4.2020

Predigtwort:

Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.   Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.  (Markus 14,3-9)

Predigt:

Komm näher, berühr mich! Hier, setz dich nah zu mir. Trau dich. Ja, du darfst mich sogar anfassen.

Liebe Gemeinde!

Vielleicht hat Jesus so zu einer ihm unbekannten Frau gesprochen. Damals, er sich in Bethanien salben ließ mit kostbaren Öl. Kurz bevor sein Weg zum Kreuz begann. Eine Frau ohne Namen berührt Jesus liebevoll. Sie zeigt damit, dass sie in ihm Gottes Liebe auf Erden erkannt hat.

Wie kostbar eine Berührung ist, wissen wir, seit sie uns fehlt. Corona-Zeit. Anfassen, jetzt nicht. Berühren, nein, bitte lass es. Kontaktverbot herrscht. Du sitzt zuhause auf dem Sofa, hältst dich von allen fern. Das kann jetzt Leben retten. Es muss so sein.

Dieses Verbot ist richtig und hat doch seine Schattenseiten. Schmerzlich wird es zum Beispiel da, wenn Kinder ihre eigenen Eltern nicht sehen dürfen. Weil Vater oder Mutter im Heim sind. Wenn man die, die man liebt, nicht berühren kann und darf. Wie können wir uns nahe kommen, wo soziale Distanz wichtig ist?

Die Geschichte von der tiefen Berührung spielt im Haus Simons des Aussätzigen. Einer, der mal mit einem Virus infiziert war. Der jetzt wieder gesund ist. Jesus sitzt bei ihm zuhause mit Gästen am Tisch. Beim Abendessen geschieht es. Die Frau ohne Namen platzt herein. Die Männerrunde hört auf zu reden. Ohne Zögern geht die Unbekannte auf Jesus zu. Ein Fläschchen mit kostbarstem Salböl in den Händen. Der teuerste Duft weit und breit. Entsetzte Blicke. Die wird doch nicht … Doch! Alles Öl vergießt sie über dem Haar Jesu. Reibt ihn ein, ganz zärtlich. Sie salbt ihn, wie es nur Königen zukommt. Dieser himmlische Duft wird ihn begleiten.

Die Männer, die zusehen, empören sich. Ist die verrückt geworden! Das ist doch die pure Vergeudung! Das kostet ein Vermögen! Du würdest Jesu mehr Freude machen, wenn du das Geld lieber für die Armen einsetzen würdest. Gute Werke statt sinnlosem Luxus, das wäre besser.

Klingt vernünftig. Das Denken dahinter kenne ich gut. Urprotestantisch. Nüchtern und sparsam soll man sein. Das Sinnliche ist überflüssig. Fantasie und Liebe sind nur schmückendes Beiwerk im Leben, meinen die angeblichen Freunde Jesu. Sie glauben ihn zu kennen, ihren Meister. Sie weisen die Frau zurecht. Zärtlichkeit und Liebe – damit sind die rauen Jungs überfordert.

Jesus lässt sich berühren. Von wem? Von einer starken Frau, die sich etwas traut. Was für ein kostbarer, inniger Moment! Er verdient es, festhalten zu werden. Findet Markus, der Evangelist. Der übliche Gang der Dinge wird unterbrochen. Das ist Glaube. Ein starkes Vertrauen, das alle Bedenken beiseiteschiebt. Das sich Jesus an den Hals wirft. Ihm, der uns Gottes Liebe und das neue Leben nahebringt.   

Komm näher, berühr mich! Hier, setz dich nah zu mir. Trau dich. Ja, du darfst mich sogar anfassen.

Jesus lässt die Verschwenderin gewähren. Er, der selbst Gottes große Liebe an die Menschen vergossen hat. Die Männer sehen nicht, was er jetzt in dieser Stunde braucht. Sie fühlen sich selbst nicht. Die Frau aber hat im Herzen erkannt, wer Jesus in Wahrheit ist: Gottes verschwenderische Liebe in Person. Der Heiland. Der uns im Herzen berührt. Der die Liebe zurück auf die Erde bringt.  

Jesus erklärt den erstaunten Männern, was da geschehen ist. Sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt. Sie hat ein schönes Werk an mir getan. Darum wird man sich überall in der Welt an sie erinnern. Die Frau hat erfasst, dass ich nicht mehr lange da bin. Der Augenblick zählt. Jesus atmet den Duft des Salböls. Er spürt die sanfte Berührung. Das wird ihn durch seine Leidenszeit tragen. Das gibt ihm Kraft, alles, was kommt, durchzustehen.

Liebe Gemeinde, wie stehen wir diese Krise durch? Uns fehlt vieles. Und damit meine ich nicht Mehl und Klopapier. Es ist doch das andere, was fehlt. Die besonderen Momente im Leben. Wo wir unseren Lieben richtig nahe sind. Dass wir uns berühren lassen können. Dass Kultur, Sport, Religion, Geselligkeit und Liebe unseren Alltag heilsam unterbrechen. 

Diese Geschichte sagt: Im Glauben ist dieser kostbare, wertvolle Moment da. Jesus berührt uns, wir berühren ihn. Alle, die an ihn glauben, haben das ewige Leben. Das ist es, was wirklich zählt. Dieser Glaube gab Jesus Kraft, bis zum Kreuz und durch den Tod zu gehen. Er gibt uns Kraft, bis hinter diese Krisenzeit zu kommen.

Im Gebet darfst du sagen: Jesus, komm näher, berühr mich! Jetzt, setz dich nah zu mir. Ja, du darfst mich sogar anfassen.

Haltet durch, liebe Freundinnen und Freunde. Gott berühre und behüte Euch.

Amen.

 

Fürbittengebet für den Palmsonntag

Wir halten dir unsere Herzen hin, Jesus Christus,
wir strecken dir unsere Hände entgegen.
Wir wollten dir entgegengehen, wir wollten mit dir laufen
und hineinziehen in deine Stadt.

Aber wir können nur mit unseren Herzen zu dir kommen.
Nur unsere Sehnsucht ist auf dem Weg zu dir.
Nur unsere Gebete. Sie sind alles, was wir haben.
So beten wir für die Kranken
für die, denen keine Medizin mehr helfen kann,
für die, die einsam sterben,
für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.

So beten wir für die Menschen,
die in Krankenhäuser und Pflegeheimen arbeiten,
in Feuerwachen und Apotheken,
in Kitas und Supermärkten,
in Laboren und in Ställen,
in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.

So beten wir für die Menschen,
die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten,
die Flüchtlinge, die Opfer von häuslicher Gewalt,
die Verwirrten und Missbrauchten,
die Hungernden, die Einsamen.
Komm zu ihnen und rette sie.

Wir halten dir unsere Herzen hin
und danken dir für den Glauben.
Wir danken dir, weil wir zu dir und zueinander gehören.
Wir danken dir für die Zeichen der Liebe und Verbundenheit,
für die freundlichen Worte, für die Musik.
Wir danken dir für dein Wort und deine weltweite Kirche.
Wir wollten dir entgegengehen
und hineinziehen in deine Stadt.
Und wir erleben es:
Du gehst mit uns durch diese Zeit
Heute, in diesen Tagen der Passion,
und jeden neuen Tag.

Amen.

 

 
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